"Niedrige Einschreitschwelle" - Mehr als 5.000 Polizisten am 1. Mai in Berlin im Einsatz

Mo 29.04.24 | 12:31 Uhr
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Archivbild:01.05.2023 Polizisten in voller Montur mit Schutzhelmen laufen auf und sollen für Sicherheit bei der Demo sorgen.(Quelle:picture alliance/SULUPRESS/V.Menck)
Video: rbb24 Abendschau | 29.04.2024 | A. Sundermeyer | Bild: picture alliance/SULUPRESS/V.Menck

Zahlreiche Veranstaltungen sind in Berlin für den 1. Mai angemeldet. Die Polizei sieht sich gerüstet. Die meisten Kräfte werden am Abend bei der Revolutionären 1. Mai-Demo im Einsatz sein. Wie diese verlaufen wird, ist nach Ansicht der GdP eine "Wundertüte".

  • bis zu 3.000 Polizisten am 30. April, bis zu 6.000 am 1. Mai im Einsatz
  • laut Gewerkschaft könne "von gar nichts bis so ziemlich alles passieren"
  • Krise in Israel und Verhaftung von Daniela Klette könnte Lage anheizen
  • Innensenatorin Spranger kündigt schnelles Eingreifen an

Die Berliner Polizei ist am 1. Mai mit 5.000 bis 6.000 Polizisten in der ganzen Stadt im Einsatz, am Dienstag zuvor und in der Walpurgisnacht sollen es nach Angaben von Polizeipräsidentin Barbara Slowik 2.000 bis 3.000 Polizisten sein.

21 Demonstrationen sind Slowik zufolge am Maifeiertag angemeldet. Morgens wollen demnach die Gewerkschaften demonstrieren - mehr als 10.000 Menschen werden erwartet. Nachmittags seien linke Gruppen mit einer bunten Demonstration im Villen-Stadtteil Grunewald unterwegs, hieß es weiter. Erwartet würden 2.000 Teilnehmer.

Am Abend rechnet die Polizei zur Revolutionären 1. Mai-Demo in Kreuzberg und Neukölln nach Medienberichten mit mindestens 10.000 Demonstranten.

GdP: Weh spricht von Wundertüte

GdP-Landeschef Stephan Weh sprach mit Blick auf den Maifeiertag von einer "Wundertüte". Erst am 2. Mai werde man wissen, "was uns rund um die Walpurgisnacht und am 1. Mai erwartet." Es könne "von gar nichts bis so ziemlich alles passieren", hieß es weiter.

Man habe "dieses Jahr ein breites Konglomerat an Themen", die Extremisten als Legitimationsgrundlage für Straftaten missbrauchen könnten, so Weh weiter. Neben dem "grundsätzlichen Hass auf demokratische Institutionen" sprach er in diesem Zusammenhang von der Lage in Nahost und von den Maßnahmen rund um die Festnahme der RAF-Terroristin Daniela Klette.

Demo-Organisatoren sprechen von "hässlicher Fratze der Polizei"

Das Bündnis der Demonstrations-Veranstalter teilte am Montag erneut mit, man werde unter anderem demonstrieren "in Solidarität mit den Menschen in Gaza", die seit sechs Monaten von Israel "rücksichtslos getötet" würden. Das Bündnis warf der Polizei vor, eigenmächtig zu entscheiden, "was von dem grundgesetzlich verbrieften Recht auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit gedeckt ist und was unmittelbar mit Gewalt unterbunden wird."

Die Polizei habe in den vergangenen Monaten "immer wieder ihre hässliche Fratze gezeigt und jede Solidaritätsbekundung mit dem palästinensischen Volk als antisemitisch diffamiert". Besonders die Parole "From the river to the sea - Palestine will be free" rücke immer wieder in den Fokus und werde mittlerweile sogar als Volksverhetzung verfolgt. "Dementsprechend rechnen wir mit zahlreichen willkürlichen, gewalttätigen Übergriffen, Einschüchterungs- und Kriminalisierungsversuchen der Polizei.", so das Bündnis.

Spranger: Polizei habe "niedrigen Einschreitschwelle"

Gegen mögliche antisemitische, antiisraelische und gewaltverherrlichende Parolen will die Polizei entschieden vorgehen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach am Montag im Innenausschuss von einer niedrigen Einschreitschwelle der Polizei am Mittwochabend. Ein Abwarten bis zum Ende der Demonstration wie in früheren Jahren "wird in diesem Fall nicht in Betracht kommen. Denjenigen, die Gewalt und Hass auf die Straßen unserer Stadt tragen möchten, wird sie mit konsequentem Einschreiten und gezieltem Handeln begegnen", sagte Slowik.

Man gehe angesichts des aktuellen Nahost-Konflikts zwischen Israel und der palästinensischen Terrororganisation Hamas davon aus, dass die Strecke der Demonstration durch Neukölln "natürlich bewusst gewählt wurde, um einen möglichst großen Zulauf zu erhalten", sagte Spranger.

Konkrete Details zur Taktik der Polizei wolle sie aber nicht nennen. "Aber wenn konsequentes Handeln notwendig sein sollte - ich hoffe es nicht - dann wird auch mit allen Mitteln mit meiner Unterstützung vorgegangen", so die Innensenatorin. Ob notfalls Wasserwerfer eingesetzt würden, werde man sehen. Gerade wenn es eng und voll werde, seien Wasserwerfer "nicht das probate Mittel der Wahl", sagte Slowik dazu.

Der Linken-Abgeordnete Ferat Koçak kritisierte derweil die Rhetorik der Behörden im Vorfeld der Demonstration. "Wenn hier schon über Wasserwerfer gesprochen wird und wir jedes Jahr wieder darüber diskutieren, wie viele Polizist*innen eingesetzt werden sollen, dann hat das schon den Beigeschmack einer eskalierenden Strategie", sagte Koçak dem rbb.

Im vergangenen Jahr blieb es am Abend des 1. Mais vergleichsweise ruhig.

Sendung: rbb24 Inforadio, 29.04.2024, 11:40 Uhr

37 Kommentare

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  1. 36.

    Schade nur dass solche Konsequenz von die Polizei nicht im Alltag gezeigt wird, etwa gegen Delikten am Steuer.

  2. 35.

    Meine gesamte Familie ist bei der Polizei.
    Und die Linken kennen nur Randale.
    Am Tag friedlich und abends lassen sie die Sau raus.

  3. 34.

    Dann geh doch zur Polizei.Ich wünsche allen friedlichen und auch den linksherzschlagenden Mitmenschen ein schönes Fest!

  4. 33.

    Jedes Jahr das selbe Affentheater.
    Ich wünsche allen Polizeibeamten das sie heil und gesund nach Hause kommen.

  5. 32.

    Ist doch umgekehrt nicht anders. Die Gefahr sehe ich eher, dass jeder glaubt, die Anderen sind einfach nur dumm und das ewige verharmlosen. So können diese Blüten, egal aus welcher Richtung, prächtig gedeihen.

  6. 31.

    Danke für den Nickklau.

    Aussage geht aber in Ordnung . In diesem System ist ein friedlicher Ausgleich von Interessen kaum möglich.
    Da erinnere ich mich noch an '89 , wo es hieß "keine Gewalt" und wo es, nach den ersten Gewaltexessen der Volkspolizei, zur Gründung von Sicherheitspartnerschaften zwischen Staatsmacht und Demonstrierenden kam. Heute alles undenkbar. Über die Rolle der Medien im Vorfeld der Proteste darf auch mal nachgedacht werden.

  7. 29.

    Hier wird Eskalation vom Senat schon wieder herbei geredet, wie so viele Jahre.
    Befremdlich auch die ganzen Kommentatoren, die immer nach schärferen Gesetzen rufen. Zumindest dann, wenn die Demonstration nicht aus dem rechten Spektrum kommt.

    Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen, die an dem Tag demonstrieren, eine Gefahr für die Demokratie sind, ganz im Gegenteil zu vielen anderen. Die Gefahr kommt doch schon lange aus einer anderen Richtung.

  8. 28.

    Dann hatte sich John Miles wohl geirrt.
    "Music was my first love
    And it will be my last
    Music of the future
    And music of the past
    To live without my music
    Would be impossible to do
    In this world of troubles
    My music pulls me through"

    Aktueller denn je.

  9. 27.

    Doch man kann grundsätzlich alles liebe., sogar Sexarbeiter*innen aus Kunststoff. Gibt`s in Berlin doch schon.

  10. 26.

    Weil es keine oder nur sehr selten´nieder geküppelten Polizisten´ gibt! Die meisten verletzten Polizisten entstehen, weil der Wind beim polizeilichen Reizgas Einsatz nicht mitspielen will! Die Zahlen über verletzte Polizisten sind immer, wirklich immer übertrieben und nicht aussagekräftig. Dazu gehören Polizisten die sich beim Austeigen ein Bein verstauchen ebenso wie Polizisten die zu wenig getrunken haben oder, wie erwähnt, von einem Kollegen eine Ladung Reizgas abbekommen haben.
    Es gibt nie, wirklich nie Angaben zu verletzten Demonstranten (Ausser aus dem Ausland). Sie können davon ausgehen, das wenn es hundert ´verletzte Polizisten´ gab, es mindestens 300-1000 verletzte Demonstranten gab.
    Aber sowas will hier ja keiner lesen...

  11. 24.

    Na ich bin arbeiten....ich hoffe Ihr habt einen schönen Tag und benehmt Euch alle friedlich im ÖPNV.
    Ansonsten wünsche ich den vielen Polizisten das sie gesund durch diesen Tag kommen und allen anderen und der Redaktion einen schönen ersten Mai.

  12. 23.

    "Warum hat Herr Koçak noch nie die vielen verletzten und niedergeknüppelten Polizisten kritisiert?"


    Weil es die am 1.Mai in Berlin wie von Ihnen behauptet gar nicht gibt.
    Sie verwechseln die jährliche Berichterstattung darüber, was alles passieren könnte, mit dem was dann tatsächlich passiert.
    Bestätigen damit die Folge eine Berichterstattung, die komplett den selbstkritischen Blick darauf verloren hat, wie sie Teil einer virtuellen, künstlichen Realität geworden ist, die sich für Realität strukturell gar nicht mehr interessiert. Und damit sehr reale repressive Realität schafft.
    Während sie bestimmt und sicher ehrlichen Herzens und vollkommen davon überzeugt ist, zu den Wohlmeinendenen und Wohlgesinnten zu gehören.

  13. 22.

    Klar kann ich Gott u. a. Lieben. Das haben Sie niemandem zu verbieten.

    „Lieben“ im körperlichen Sinne, da stimme ich Ihnen zu.

    Ich liebe es zu trainieren und zu lesen.

    Schade, dass Sie offensichtlich nur Menschen und Tiere lieben.

    Irgendwie traurig.

  14. 21.

    Grünen Bashing hilft hier doch nicht weiter. In unserer Senatsverwaltung wurde gleich nach der Machtübernahme kräftig ausgetauscht. Natürlich wurde auch die Justiz auf Linie gebracht. Bei der Polizei wurden Gesinnungsuntersuchungen gestartet. Der Wegner Senat hat wenig zurückgedreht.
    Daher sitzt die Angst bei den Kollegen noch tief. Früher, auch noch zu Corona Zeiten war die berliner Knüppelgarde noch gefürchtet. Da nahmen die Autonomen schnell die Beine in die Hand. Heute halten sie nur noch mit dem Handy drauf. Dann Sammelstelle, Freilassung und Verfahrenseinstellung.

  15. 20.

    Natürlich ist der Spruch Volksverhetzung. Nationalistischer geht's doch kaum. Aber gemeinsam demonstrieren geht. Naja, wenn jemand das Gleiche tut.....

  16. 19.

    Was nutzen polizeiliche Maßnahmen und der ganze Aufwand, auch finanziell, wenn es keine adäquaten und abschreckenden Strafen gibt ? Angeblich ist die Justiz unabhängig, aber die ideologische Verbundenheit schwebt trotzdem über allem. Nicht umsonst haben sich linksgrüne Politiker der kompletten Deutungshoheit in den Behörden gerühmt. Sogar bis in die Feuerwehr hinein !! Gleichzeitig fordern und warnen sie aber vor der Einflussnahme anderer Parteien in die Ämter. Nur die eigene Einflussnahme ist korrekt ! Was für eine Verlogenheit in Reinkultur !

  17. 18.

    Klapschinski:
    "Antwort auf [Patrick] vom 29.04.2024 um 12:36
    ... die Liebe zu Deutschland ..."

    Ich kann Länder mögen oder auch nicht, aber nicht lieben. Lieben kann ich nur Menschen (und höchstens noch andere Lebewesen), aber keine juristischen Personen oder öffentlich-rechtliche Gebietskörperschaften!

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